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Je komplexer und technisierter eine Gesellschaft wird, umso größer ist der Bedarf an komplexen Regelungen, die sie steuern. DIN-Normen helfen, diese Regeln zu konkretisieren und damit verständlicher zu machen. Das Schweißen war seit jeher ein spezieller Prozess, dessen erfolgreiches Gelingen im direkten Zusammenhang mit der Berücksichtigung der Schweißeignung, Schweißsicherheit und Schweißmöglichkeit steht. Bevor heute ein Schweißverfahren in einem Fertigungsbetrieb zum Einsatz kommt, muss der Hersteller die Eignung des Verfahrens für den vorgesehenen Anwendungsfall nachweisen und in entsprechender Weise gegenüber dem Besteller oder der zuständigen Stelle dokumentieren. Dies kann zum Beispiel mittels einer Schweißverfahrensprüfung nach DIN EN ISO 15614-1 für das Lichtbogenschweißen von Stählen erfolgen. Die Vorgängernorm, dieser heute in Deutschland wohlbekannten europäisch internationalen Norm, war die DIN EN 288-3, die nach der Veröffentlichung im Jahre 1992 ihren Siegeszug durch ganz Europa antrat. Beide Normen, sowohl die DIN EN ISO 15614-1 als auch die vorherige DIN EN 288-3, wurden nach ihrer Veröffentlichung verzugsfrei in das jeweilige nationale Normenwerk der europäischen Mitgliedsländer von CEN übernommen und entgegenstehende nationale Normen ersatzlos zurückgezogen. Weitere Teile für das Laserstrahl- und Elektronenstrahlschweißen, Unterwasserschweißen und Widerstandsschweißen folgten. Die Qualifizierung eines in der Fertigung eingesetzten Schweißverfahrens nach DIN EN ISO 15614ff ist heute in Europa Stand der Technik. Sie bilden damit eine einheitliche Grundlage, Schweißverfahrensprüfungen im europäischen beziehungsweise internationalen Wirtschaftsgebiet zu beurteilen. Leider endet diese beispielhafte Umsetzung abrupt außerhalb von Europa. Insbesondere die USA und Kanada haben enorme Schwierigkeiten, die DIN EN ISO 15614-1 umzusetzen und ihre nationalen Regelwerke, zum Beispiel den ASME-Code, derartig anzupassen. Entscheidende Knackpunkte hierbei sind die unterschiedlichen Anforderungen bezüglich des geforderten Prüfumfangs für die bei der Verfahrensprüfung geschweißten Bauteile. Somit müssen derzeit europäische Firmen, die ihre Produkte in die USA exportieren, ergänzend zu der Verfahrensprüfung nach DIN EN ISO 15614-1 weitere Prüfstücke gemäß den Anforderungen des ASME-Codes anfertigen. Dies stellt eine zum Teil unnötige finanzielle Mehrbelastung für deutsche schweißtechnische Unternehmen dar. Aus diesem Grund wurde im zuständigen internationalem Normungsgremium der Antrag auf Überarbeitung der ISO 15614-1:2004 gestellt, um eine Zusammenführung der unterschiedlichen Regelwerke anzugehen. Das nunmehr vorliegende Arbeitspapier sieht hinsichtlich der Qualitätsanforderungen ein Zweistufenmodell vor. Die Stufe 1 enthält Basisanforderungen für eine Schweißverfahrensprüfung und beruht bezüglich des geforderten Prüfumfanges auf ASME-Vorschriften, wie der Sichtprüfung, dem Querzugversuch und der Querbiegeprüfung. Weitere Prüfungen sind optional und können je nach Anwendungsregelwerk (Produktnorm) ergänzend hinzugefügt werden. Stufe 2 fordert den bisherigen und unveränderten Prüfumfang aus DIN EN ISO 15614-1 mit Sichtprüfung, Durchstrahlungsprüfung, Oberflächenrissprüfung, Querzugversuch, Querbiegeprüfung, Kerbschlagbiegeprüfung, Härteprüfung sowie Makroschliff-Untersuchung. Sie würde damit die Anforderungen aus den harmonisierten europäischen Normen im Bereich der Druckgeräterichtlinie erfüllen. Ziel der Überarbeitung soll sein, eine weltweit anwendbare Norm für Schweißverfahrensprüfungen zu erarbeiten.
Der Vortrag wird über den Stand der Überarbeitung sowie über Entwicklungstendenzen in der internationalen Normungsarbeit berichten.
Autoren: Dipl.-Ing. Jochen W. Mußmann, Fachverband Dampfkessel-, Behälter- und Rohrleitungsbau e.V., Düsseldorf Dipl.-Ing. Holger Zernitz, Deutsches Institut für Normung e.V., Berlin
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